Pfarrkirche St. Michael in Schöllang

Die Frauen-Kapelle - die heutige Pfarrkirche - wurde vor 250 Jahren geweiht und vor 200 Jahren zur Pfarrkirche St. Michael erhoben.

Zur Pfarrei St. Michael gehörte Anfangs des 18. Jahrhundert die außerhalb des Ortes gelegene Pfarrkirche St. Michael „uffm Burgk“, als Filialkirche die Marienkapelle in Schöllang, und die Kapellen in Reichenbach und Rubi.

Bereits ein Jahr nach Amtsbeginn hat Pfarrer Johann Doser von Maria Rain 1719 den Pfarrhof im Widum wegen Baufälligkeit aufgegeben und ist nach Schöllang in das Frühmesshaus (heute Pfarrhof) neben die damalige Marienkapelle (jetzt Pfarrkirche St. Michael) gezogen. Die Marienkapelle war mit einem schönen Altar schon früher Ziel verschiedener Wallfahrten. Das Gnadenbild U. L. Frau von Schöllang steht heute auf dem rechten Seitenaltar der Pfarrkirche. In den Jahren 1726 bis 1735 wurde die Marienkapelle unter Pfarrer Doser durch einen großzügigen Neubau ersetzt. So wurde unter anderem an den Baumeister Franz Kappeler von Wertach 160 fl. 10 Kreuzer bezahlt, dem Glaser Josef Brutscher 101 fl. 28 Kreuzer, sowie Zimmermann Anton Kuisle von Kranzegg für die Arbeiten an der Kuppel 80 fl 34 Kreuzer. Die Kosten von rund 1000 fl. wurden durch Einnahmen aus der Rosenkranzbruderschaft und von der "St. Michaelskirche auf dem Burgk" gedeckt.

Pfarrer Doser musste aber noch fast zwanzig Jahre warten bis die Frauenkapelle in Schöllang durch den Augsburger Weihbischof Franz Xaver Adelmann von Adelmannfelden am
9. September 1754 - vor 250 Jahren – geweiht wurde. Die Kosten der Einweihung über 144 fl. sind genau beschrieben: "..folgt, was bey Weihung unsrer l. F. Capell zu Schöllang aufgangen ist ... erstlich habe ich Ihre hoch bischöflich Gnaden verehrt 25 fl. 25 Kreuzer ... dem Wirth zu Oberstdorf für Mahlzeiten und Trinkgelt 52 fl. ... für eine Fahne mit dem Name Jesu und Maria 15 fl. ..." usw.

Der Sonntagsgottesdienst wurde auf der Burgkirche das ganze 18. Jahrhundert hindurch gefeiert, mit Ausnahme der Wintermonate, weil die Frauen-Kapelle zu Schöllang für die rund 770 Seelen besser erreichbar war. Mit der Säkularisierung des Hochstifts Augsburg wurde Schöllang 1803 bayerisch.

Im September 1804 - vor 200 Jahren - erreichte den damaligen Pfarrer Stanislaus Müller von Schöllang das Schreiben vom Kurfürstlichen Landgericht Sonthofen: "...Zeug gnädigsten Befehls vom 10. laufenden Monats ist unter anderm verordnet, dass die Frauen Kirche in Schöllang zum Pfarr Gottes Hauß erhoben und dagegen die ehemalige Pfarr Kirche aufm Burk für immer gesperrt, auch das Vermögen der alten Pfarrkirche mit dem Fond des neuen Pfarr Gottes Hauß zu Schöllang vereiniget, auch alle Glocken aus der erstern in die letzere so wie auch alle Paramente, Ornate, Kirchengefäße und so anders dahin gebracht werden..." und weiters‚ "...den Meßmer anzuweisen, das ewige Licht dortselbst (in der Burgkirche) zu löschen, damit nach diesem Vorgang die gnädigst anbefohlene Kirchen Sperr vorgenommen werden kann."

Mit dieser Verordnung verlor die über Jahrhunderte bekannte "Burgk"-Kirche ihre Bedeutung und sollte abgerissen werden. Durch Einsatz vom Pfarrer Müller und der Pfarrgemeinde ist uns die Burgkirche mit dem Friedhof erhalten geblieben, nur das Mesnergut am "Wideme" wurde verkauft. Im Januar 1805 wurde die große Marienglocke mit der Jahrzahl 1579 (26 Zentner) von der Burgkirche nach Schöllang geführt. Auch die überlebensgroße Holzfigur vom Erzengel Michael erhielt in der neuen Pfarrkirche St. Michael in Schöllang einen Platz.